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Pharma-Hammer aus Washington: Trump droht mit 100-Prozent-Zöllen

US-Präsident Donald Trump hat zum Jahrestag seines „Liberation Day“ eine handelspolitische Bombe platzen lassen: Mit einem neuen Dekret belegt die US-Regierung importierte, patentierte Medikamente mit Zöllen von bis zu 100 Prozent. Während die EU dank Sonderregelungen vorerst glimpflich davonkommt, zittert die Branche vor massiven Verwerfungen auf dem Weltmarkt.

Es ist eine Ankündigung, die die Vorstandsetagen von Basel bis Darmstadt in Unruhe versetzt. US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag ernst gemacht und seine langgehegte Drohung in die Tat umgesetzt. Patentgeschützte Arzneimittel, die in die USA eingeführt werden, sollen künftig mit einem Zollsatz von 100 Prozent auf den Warenwert belegt werden. Das Ziel des Weißen Hauses ist klar: Die Pharmakonzerne sollen gezwungen werden, ihre Produktion in die USA zu verlagern und die dortigen Preise massiv zu senken.

„America First“ im Medizinschrank

Die Begründung aus Washington folgt dem bekannten Muster der „America First“-Doktrin. Die Abhängigkeit von ausländischen Wirkstoffen sei ein Risiko für die nationale Sicherheit, hieß es in einer Mitteilung der US-Regierung. Zudem sei es den US-Bürgern nicht länger zuzumuten, durch überhöhte Preise die Forschungskosten für den Rest der Welt mitzufinanzieren.

Trump bietet den Konzernen jedoch einen Ausweg an: Unternehmen, die sich auf Preisvereinbarungen einlassen – sogenannte „Most-Favored-Nation“-Deals – oder den Bau neuer Fabriken auf US-Boden zusagen, können die Zölle auf bis zu null Prozent reduzieren. Große Konzerne haben nun 120 Tage Zeit, um entsprechende Pläne vorzulegen; kleinere Firmen erhielten eine Frist von 180 Tagen.

Glimpflich für Europa, teuer für den Rest

Für deutsche und europäische Hersteller gibt es einen kleinen Lichtblick: Für die Europäische Union sowie Länder wie die Schweiz und Japan gilt ein reduzierter Zollsatz von 15 Prozent. Dies ist das Ergebnis früherer Handelsvereinbarungen. Dennoch warnen Experten vor einer „zusätzlichen Belastung“, die die Exportbilanz der Pharmaindustrie, eines der wichtigsten Standbeine der deutschen Wirtschaft, empfindlich treffen könnte.

Besonders hart trifft es Länder wie Indien, die massiv Medikamente in die USA exportieren, aber nicht von den Sonderregelungen profitieren. Da Generika (Nachahmerpräparate) vorerst von den neuen Zöllen ausgenommen sind, bleibt die Grundversorgung in den USA zwar stabil, doch bei innovativen Therapien – etwa gegen Krebs oder seltene Krankheiten – droht eine Preisexplosion.

Was bedeutet das für uns?

In der Region blicken Branchenbeobachter mit Sorge auf die Entwicklung. Wenn globale Player wie Bayer oder Merck gezwungen werden, Kapazitäten in die USA abzuziehen, könnte dies langfristig auch Auswirkungen auf Forschungsstandorte in Europa haben.

Kritiker der US-Politik geben zudem zu bedenken, dass Zölle letztlich immer vom Verbraucher bezahlt werden. „Jeder Dollar, der in Zölle fließt, fehlt am Ende in der Forschung für neue Heilmittel“, warnt der Branchenverband PhRMA.

Ob Trumps Plan aufgeht und die „verlorene Produktion“ tatsächlich nach Amerika zurückkehrt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Der Ton im globalen Handel ist rauer geworden, und die Apotheke der Welt steht vor einer ihrer größten Zerreißproben.

Die Fakten auf einen Blick:

  • Neuer Zollsatz: Bis zu 100 % auf patentierte Medikamente.
  • Sonderregelung: 15 % für die EU, die Schweiz, Japan und Südkorea; 10 % für Großbritannien.
  • Ausnahme: Generika und Biosimilars bleiben vorerst zollfrei.
  • Ziel: Ansiedlung von Produktion in den USA und Senkung der US-Arzneimittelpreise.

© Redaktion Wochenblatt News 2026

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